Wohnungskrise: Rausschmeißer gegen Hausbesetzer in Spanien
In Spanien fehlt in vielen Regionen bezahlbarer Wohnraum, und immer wieder besetzen Menschen Häuser und Wohnungen. Doch die Rechtslage ist komplex, Gerichtsverfahren langwierig, weshalb viele geschädigte Eigentümer private Räumungsfirmen engagieren, um wieder über ihr Eigentum verfügen zu können. Die manchmal rabiaten Methoden der Rausschmeißer rufen zunehmend Kritik hervor. Granada steht exemplarisch für die Wohnungskrise in Spanien: Die Immobilienpreise sind drastisch gestiegen, Ferienwohnungen in der beliebten Altstadt verknappten den Wohnraum. Noch leer stehende Wohnungen und Häuser sind deshalb ein attraktives Ziel für Besetzer. Denn sind die »okupas« einmal drin, ist es für Eigentümer schwer, sie wieder loszuwerden. Gerichtsverfahren können Jahre dauern. Für Wohnraum-Aktivistin Clara Martínez, eine Ikone der Besetzer-Bewegung, ist Spekulation der Hauptgrund für den Leerstand. Auch deshalb hält sie Häuserbesetzungen für legitim: »Es ist doch würdiger, wenn Menschen Häuser besetzen, als wenn sie mit ihren Kindern auf der Straße leben.« Angela Mendoza sieht das anders. Sie leitet seit rund fünf Jahren eine private Räumungsfirma und verdient ihr Geld damit, Hausbesetzer vor die Tür zu setzen. Für Mendoza ist das Recht auf Privateigentum in Spanien nur unzureichend geschützt: »Eigentümer sollten das Recht haben, auf ihre Wohnungen zugreifen zu können, wann immer sie das wollen.« Die Rechtslage ist in Spanien komplex, und die Justiz benötigt teilweise Jahre, um die Klagen von Eigentümern oder Besetzern zu bearbeiten. Angela setzt dagegen auf überraschende und auch wiederholte Hausbesuche mit ihren »chicos«: durchtrainierte, schwarz gekleidete und Respekt einflößende Männer. Die privaten Räumungsfirmen sind umstritten. Einigen werden Einbruch, Nötigung und Körperverletzung vorgeworfen. Doch solange die Gerichte nur schleppend arbeiten, hat die Nachfrage nach privaten Rausschmeißern in Spanien weiter Konjunktur. Eine »Arte Re:«-Reportage von SPIEGEL TV. (30.03.2026)



















