Lust an der Gefahr: Warum Extremsportler ihr Leben riskieren
Man nennt sie »High Sensation Seeker«: Menschen, die es als intensiv und rauschhaft erleben, sich mit sogenannten Wingsuits von Felsen zu stürzen oder bäuchlings in einer rollenden Rüstung die Alpenpässe hinabzuschießen. Wirklich lebensgefährlich wird der Rausch, wenn er zur Sucht wird. Extremsportler begeben sich immer wieder absichtlich in Lebensgefahr. Sie lieben den Kick und suchen den Flow – intensive positive Gefühlszustände – in denen sich die Zeit dehnt und das Glück in Form von körpereigenen Hormonen den Körper flutet. Doch der Preis ist hoch – insbesondere bei der extremsten aller Sportarten, dem sogenannten Basejumping, endet einer von sechzig Sprüngen im Tod. Mit einem Spezial-Anzug, dem Wingsuit, mit eingenähten Tragflächen, stürzen sich die Sportler kopfüber von Felsklippen, um im freien Flug an Berghängen entlang gen Tal zu stürzen. Auch der 32-jährige Rosenheimer Maximilian Werndl gehörte jahrelang zur Community. Sechs gute Freunde sind durch den Sport ums Leben gekommen. Werndl stieg aus, um sein eigenes Leben zu retten. »Es ist ein großer Unterschied, ob man getrieben ist oder aus Leidenschaft springt – ich war ein Getriebener und musste deshalb aufhören.« Auch die Schweizerin Geraldine Fasnacht stürzt sich mit dem Wingsuit die Berge hinab. Die 39-Jährige Profi-Sportlerin tut das seit 20 Jahren – unfallfrei. Ihr Mann, Simon Wandeler, ist ebenfalls Basejumper. Mittlerweile sind sie Eltern eines kleinen Sohnes. Der bleibt bei der Oma, wenn seine Eltern gemeinsam einen Sprung vom Hausberg in Verbier machen. Fasnacht sagt, sie gehe nie ein unkalkulierbares Risiko ein. »Man muss sich konzentrieren und immer einige Sekunden vorausdenken, man darf sich nie überraschen lassen.« Der Franzose Jean-Yves Blondeau hat auch immer vom Fliegen geträumt. Aber er lebt seinen Traum anders aus: »Ich fliege auf der Straße.« Als Rollerman schießt er bäuchlings die Alpenpässe hinunter, auf Gummirollen mit einer Carbonrüstung, die er selbst entworfen hat. Eine »Arte Re:«-Reportage von SPIEGEL TV. (22.11.2021)



















