Alpha

Alpha

2025-08-20 128 min ★ 6.2

Frankreich in 1980er Jahren. Als die 13-jährige Alpha mit einem selbstgeritzten Tattoo auf dem Arm nach Hause kommt, gerät ihr Leben aus den Fugen. Ausgerechnet da taucht ihr Onkel Amin auf, der keinerlei Angst vor dem Tod zu haben scheint. Wie ein Traum in einem Traum: Nach TITANE und RAW beschreitet Goldene-Palme-Gewinnerin Julia Ducournau auch mit ALPHA neue, visionäre Wege und untermauert ihren Ruf als eine der radikalsten Filmemacherinnen unserer Zeit. Ihr gelingt ein fiebriges und gleichzeitig zärtliches Werk von großer emotionaler Wucht, das von der (Un-)Möglichkeit erzählt, geliebte Menschen loszulassen. Neben Nachwuchstalent Mélissa Boros beeindrucken Golshifteh Farahani (PATERSON) und vor allem Tahar Rahim (UN PROPHÈTE) mit außergewöhnlichen Leistungen. ALPHA feierte seine Weltpremiere im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes.

Zusammenfassung

Im Frankreich der 1980er-Jahre gerät das Leben der 13-jährigen Alpha aus den Fugen, als sie mit einem selbstgeritzten Tattoo am Arm nach Hause kommt. Was zunächst wie eine kindliche Grenzüberschreitung wirkt, wird zum Auslöser einer tiefen familiären und persönlichen Krise. Alpha befindet sich in einem Alter, in dem sie zwischen Kindheit und Erwachsenwerden, Anpassung und Selbstbehauptung schwankt. Ihr Körper wird dabei zum Schauplatz von Angst, Scham und dem Versuch, die Kontrolle über das eigene Leben zu gewinnen. In diese ohnehin angespannte Situation tritt ihr Onkel Amin. Er wirkt wie ein Fremdkörper in der Familie und scheint keinerlei Angst vor dem Tod zu haben. Seine Anwesenheit konfrontiert Alpha und ihre Angehörigen mit verdrängten Gefühlen und unausgesprochenen Verlusten. Zwischen dem Mädchen und dem Onkel entwickelt sich eine eigentümliche, fragile Verbindung, die von Nähe ebenso geprägt ist wie von Unsicherheit. Auch die weiblichen Familienfiguren, allen voran Alphas Mutter, stehen vor der schwierigen Aufgabe, das Kind zu schützen, ohne es weiter einzuengen. Julia Ducournau erzählt diese Geschichte nicht als geradliniges Familiendrama, sondern als fiebrige, traumartige Erfahrung. Realität und innere Wahrnehmung greifen ineinander, Bilder und Stimmungen folgen einer eigenen Logik. Wie schon in „Raw“ und „Titane“ interessiert sich die Regisseurin für den Körper als Ausdruck seelischer Konflikte und für jene Momente, in denen das Vertraute plötzlich unheimlich wird. Zugleich ist „Alpha“ überraschend zärtlich: Hinter der radikalen Bildsprache steht eine zutiefst menschliche Auseinandersetzung mit Bindung, Angst und der Schwierigkeit, geliebte Menschen loszulassen. Der Film kreist um die Frage, wie sich Verlust und Abschied überhaupt begreifen lassen, besonders dann, wenn man noch zu jung ist, um die Welt der Erwachsenen zu verstehen. Dabei verbindet Ducournau familiäre Intimität mit gesellschaftlichen Ängsten und einer Atmosphäre, in der Krankheit, Tod und Isolation stets präsent sind, ohne dass der Film seine Figuren darauf reduziert. Mélissa Boros verleiht Alpha eine eindringliche Mischung aus Trotz, Verletzlichkeit und Überforderung. Golshifteh Farahani und Tahar Rahim setzen markante Akzente; vor allem Rahim gestaltet Amin als schwer durchschaubare, zugleich beunruhigende und berührende Figur. „Alpha“ ist damit weniger ein klassisches Coming-of-Age-Drama als eine emotionale Grenzerfahrung über Körper, Familie und Abschied. Ducournau verlangt ihrem Publikum Aufmerksamkeit und Offenheit ab, belohnt dies aber mit einem ungewöhnlichen, visuell kraftvollen Film, der verstört, ohne seine Figuren aus dem Blick zu verlieren.

Trailer

Besetzung