Einsatz in Ostfriesland (1): Mit der Dorfpolizei unterwegs
Geld oder Knast, unterwegs mit der Dorfpolizei. Jeden Monat treibt Joachim Albers in seinem Revier Schulden ein. Einem Landwirt muss er den letzten Euro abknöpfen, einen alten Bekannten sogar verhaften. Wer nicht zahlt, landet früher oder später im Gefängnis. Denn vor dem Gemeindesheriff gibt es kein Entrinnen. Seit 18 Jahren arbeitet Joachim Albers als Polizist in Holtriem. Hier, in der Samtgemeinde an der ostfriesischen Küste, ist der 40-Jährige aufgewachsen, zur Schule gegangen, und hier hat er auch geheiratet. Im Erdgeschoss seines Einfamilienhauses befindet sich die örtliche Polizeidienststelle. Fast jeden der knapp 9000 Einwohner kennt er persönlich, mit den meisten ist er per Du. Gesprochen wird in der Regel platt. Nur wer die Sprache beherrsche, so Albers, könne auf dem Land als Ordnungshüter bestehen. Fünf Wochen lang hat SPIEGEL-TV-Autor Markus Grün den Dorfpolizisten auf seinem ostfriesischen Außenposten beobachtet, war dabei, als Albers einen Bekannten ins Gefängnis bringen musste, Ehestreitigkeiten schlichtete, Betrüger überführte, Einbrecher verfolgte und in zahlreichen Nachbarschaftsstreitigkeiten vermittelte. Entstanden ist eine mehrteilige Reportage, die vor allem eines zeigt: Auch auf dem Land ist die Welt längst nicht mehr in Ordnung. (01.09.2003)




















