4 Mörder und ein Todesfall?
Die Geschichte sorgte für Schaudern: Eine Bauernfamilie aus Oberbayern soll den Vater erschlagen, zersägt, ausgekocht und den Hunden zum Fraß vorgeworfen haben. Das Motiv: Familiäre Streitereien. Als der 52-jährige Rudolf Rupp eines Abends von einem Wirtshausbesuch nicht nach Hause kommt, meldet ihn seine Familie als vermisst. Gerüchte entstehen in Neuburg, einer Kleinstadt an der Donau. Die Kriminalpolizei vernimmt die Ehefrau, die 17- und 18-jährigen Töchter und den 20-jährigen Verlobten einer Tochter. Alle vier sind, laut Gutachten, geistig zurückgeblieben. Je länger man sie befragt, desto bizarrer werden ihre Geschichten: Mal gesteht die Mutter, sie habe ihren Mann mit einem Vierkantholz erschlagen, mal die Tochter, die einen Hammer benutzt haben will. Beide widerrufen, dafür gesteht der Verlobte, er habe »dem Rudi den Kopf abgetrennt, ihn ausgekocht und den Rest an die Hunde verfüttert«. Eine Leiche wird nie gefunden, für einen Mord gibt es nicht einen Beweis. Dennoch verurteilt das Landgericht Ingolstadt 2005 alle vier Verdächtigen wegen Totschlags bzw. Beihilfe zum Totschlag. Vier Jahre später findet das Schauermärchen ein jähes Ende. Rudolf Rupp wird mitsamt seinem Mercedes aus der Donau gefischt – so intakt, wie eine Leiche nur sein kann: Gerichtsmediziner stellten an Rupps Körper keinerlei Spuren von Gewalteinwirkung fest. Seither streiten Justiz und Anwälte um die Frage: Wie kamen die falschen Geständnisse zustande? SPIEGEL-TV-Reporterin Utta Seidenspinner entdeckte exklusives Material zu dem Fall, sie befragte Nachbarn, Richter und Beschuldigte und kommt zu dem Schluss: Der Fall Rupp ist ein Justizskandal. (19.03.2012)



















